Vermögende Privat-kunden stehen auf Immobilien

16.03.2010
Quelle: Handelsblatt
 
Eigenkapitalstarke Family Offices und Einzelanleger prägen zurzeit das Geschehen auf dem deutschen Investmentmarkt
 
Manchmal erzählt eine einzelne Transaktion mehr als ein dicker Marktbericht. Dass zum Beispiel unlängst die Investmentgesellschaft Cerberus das frühere Woolworth-Haus in der Münchner Leopoldstraße an eine private Vermögensverwaltungsgesellschaft verkaufte, ist typisch für das gegenwärtige Marktgeschehen. Fremd-kapitalorientierte Unternehmen ziehen sich aus dem Geschäft zurück, wohlhabende Privatpersonen steigen ein.

Es handelt sich dabei nicht um Einzelfälle, wie Zahlen des Beratungsunternehmens Jones Lang Lasalle (JLL) belegen. Demnach steigerten Privatinvestoren das Volumen der von ihnen getätigten Immobilienkäufe in dem von starken Rückgängen geprägten Jahr 2009 um 18 Prozent. Mit 1,155 Mrd. Euro waren sie für elf Prozent des gesamten gewerblichen Transaktionsvolumens verantwortlich.

 

Vor allem eines können die Privaten in die Waagschale werfen: Sie verfügen über viel Eigenkapital und können deshalb auch in einem schwierigen Finanzie-rungsumfeld Immobilien erwerben. „Wir haben größere Transaktionen gesehen, die komplett mit Eigenkapital finanziert wurden", berichtet Erik Marienfeldt, Geschäfts-führer der HIH Hamburgischen Immobilien Handlung. Nach seinen Angaben gingen 2009 sämtliche Gewerbegebäude, die für weniger als 20 Mio. Euro in bester Hamburger Innenstadtlage veräußert wurden, an Privatinvestoren.

 

Furcht vor Inflation spricht für Immobilieninvestments

 

 „Ein Großteil des Gesamtvermögens unserer Mandanten - teilweise 30 bis 50 Prozent - steckt in direkten oder indirekten Immobilieninvestments", sagt Maik Rissel, Immobilienchef der Hamburger Bank Marcard, Stein & Co, die als Family Office das Vermögen reicher Familien verwaltet. Die Gründe dafür sind vielfältig. Laut Rissel „hat das Frustpotenzial aus anderen Asset-

Klassen dazu beigetragen, dass unsere Mandanten verstärkt in Immobilien investieren". Außerdem „ist Inflationsschutz ein großes Thema", stellt HIH-Vertreter  Marienfeldt fest. Vor allem aber bieten sich wieder Kaufgelegenheiten: „Anders als vor drei Jahren", sagt Rissel, „finden wir jetzt geeignete Objekte in unseren Heimatmärkten zu angemessenen Preisen."

 

Private Käufer verhalten sich genau so wie die Profis

 

Das Interesse privater Anleger richtet in erster Linie auf sicher vermietete Objekte in ausgezeichneter Lage. Darin unterscheiden sie sich nicht von institutionellen Investoren wie Versicherungen oder Pensionskassen. „Core-Immobilien mit einem staatlichen Mieter gehen am besten", stellt Erich Seeger, Vorstandsmitglied der Fondsgesell­chaft Commerz Real, fest. Dabei ist nach Ansicht von JLL-Investmentchef Marcus Lemli „das Sicher-heitsbedürfnis bei Privaten eher noch höher als bei institutionellen Investoren" - eine Ein­schätzung, der Hans Volkert Vokkens von Hannover Leasing widerspricht (siehe Interview).

 Einig ist man sich indes, dass so manches Family Office „mindestens so professionell an Investitionen heran geht wie institutionelle Investoren", formuliert Dietmar Fischer von Ernst & Young Real Estate die Beobachtung der Branche. Zwar ließen sie sich durchaus von emotionalen Faktoren leiten, heißt es, doch für die wirklich finanzkräf­tigen Investoren „ist die schöne weiße Jugendstilfassade nicht entscheidend", sagt Maik Rissel. Allerdings, so Erik Marienfeldt von HIH, entscheiden sich Private „tendenziell schneller, da keine Gremien konsultiert werden müssen". Bis auf weiteres dürfte das Interesse der vermögenden Privatkunden an der Immobilie anhalten: Als Ernst & Young von seinen Kunden wissen wollte, welche Käufergruppen
voraussichtlich 2010 am Markt aktiv sein würden, antworteten hundert Prozent der Befragten: „Private und Family Offices".
 

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