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Nirgendwo in Europa waren die Immobilienpreise während des Booms so hoch gestiegen wie in London. Nirgendwo waren sie seit Beginn der Krise so tief gefallen wie in der britischen Hauptstadt. Anfang 2007 blätterten Investoren in der Themse-Metropole so viel Geld für Bürotürme und Shopping-Center hin, dass sie aus den Mieten nur Renditen von 3,5 Prozent erzielen konnten. Dann verloren mit der Krise die Immobilien die Hälfte ihres Wertes - und die Anfangsrenditen schnellten im Frühjahr 2009 auf sieben Prozent in die Höhe.
Inzwischen sei die Talsohle jedoch durchschritten, meint Martin Bernhard, Immobilienanalyst bei Credit Suisse. „Investoren sind an den Markt zurückgekehrt und haben durch ihre Nachfrage die Anfangsrenditen bei Top-Objekten wieder auf 6,5 Prozent absinken lassen." Die Preise dürften vorerst weiter steigen und die Renditen spiegelbildlich weiter fallen, meint der Experte. Zumindest bei Bürotürmen in besten Lagen mit bonitätsstarken Mietern. Denn auf diese Objekte fokussieren sich derzeit die Käufer in der britischen Hauptstadt. „Im Zuge der Marktwende", sagt Bernhard, „könnte die Verfügbarkeit von Spitzenimmobilien sogar austrocknen."
Dass dem jüngsten Preiseinbruch eine ebenso dramatische Erholungsphase folgen könnte,
überrascht Experten nicht. Seit 1950 hat der Markt in der britischen Hauptstadt immer wieder derartige Boom- und Krisenphasen erlebt. „Extreme Wertsprünge gab es in London häufiger", sagt Diane Becker, Leiterin Internationales Investment bei der Catella-Gruppe. Das liegt vor allem daran, dass die Hauptstadt der einzige bedeutende Immobilieninvestmentmarkt auf der Insel ist. Becker: „Im zentral
organisierten Großbritannien gibt es nicht wie in Deutschland sieben
regional diversifizierte Immobilien-hochburgen."
Die Frage ist, wie weit die Preise in London in nächster Zeit steigen werden. Vor allem die durch die Bankenrettungs- und Konjunktur-pakete deutlich gestiegene Staats-verschuldung und die damit einher-gehende Gefahr einer weiteren
Abwertung des britischen Pfunds könnte Investoren zurückschrecken lassen, sollten die Immobilienwerte zu schnell anziehen. Dies gilt auch für britische Pensionskassen und Versicherungen, die bei einem weiteren Verfall des Pfunds mit Investments an den kontinentaleuro-päischen Immobilienmärkten zusätzliche Währungsgewinne ein-streichen könnten.
Nigel Roberts, Leiter Europaresearch bei der
Beratungsgesellschaft Jones Lang
LaSalle, glaubt aber nicht an einen schnellen neuen Boom in London:
„Sobald Verkäufer beginnen zu hohe Preise zu fordern, werden Investoren auf kontinentaleuropäische Märkte ausweichen."
Andreas Schultz, Geschäftsführer von HIH Global Invest, sieht hingegen schon wieder eine neue Spekulationsblase an der Themse heraufdämmern. „Das Interesse der Investoren am Londoner Markt ist so groß, dass mittel- bis langfristig die Preise so stark steigen werden, dass die Renditen wieder unter den langjährigen Durchschnitt fallen", meint der Chef der Investmentsparte der Hamburgischen Immobilien Handlung. Ein erstes Signal dafür sei, dass die Banken ihre nach Be-ginn der Krise verschärfte Kredit-vergabepraxis bereits wieder lockern würden. Schultz: „Setzt sich diese Entwicklung fort, ist die nächste Immobilienblase nur eine Frage der Zeit."